Patenschaft

Die Paten des Hamburger Kinderbuchhauses sind die bekannten Illustratoren Sabine Wilharm und Tobias Krejtschi.

© Achim Liebsch / Hamburg

Sabine Wilharm

Das Hamburger Kinderbuchhaus – ein pulsierendes Feld mit offenen Rändern.

Das Kinderbuchhaus, das sind schöne Räume in einem festen Haus. Aber wenn man es betritt und – Achtung – mitmacht, wird es zu einem Ort, an dem man auf funkelnagelneue Horizonte stößt. Man wird entführt, etwas geschieht (aber was?), und am Ende findet man sich verändert am selben Ort wieder.
Das Kinderbuchhaus ist wie ein pulsierendes Feld mit offenen Rändern, es möchte erweitern und  jeder, der mitmacht, erweitert dadurch selber das Kinderbuchhaus, denn er gibt seinen Horizont hinzu.

Das ist das Schöne daran:  Besucher werden Teilnehmer. Dadurch lebt das Haus und wächst. Lesen funktioniert ja selber nur durch Teilnehmen, das Lesen von Büchern und auch das Lesen von Bildern, die ihre eigene Sprache haben.
Wer nicht teilnehmen kann, weil er es nicht lernen konnte, dem öffnen sich diese Welten und Ideen nicht, die uns flexibler, emphatischer und bereiter zur gegenseitigen Verständigung machen können. Das geschlossene Buch kann abschrecken, es muss eine Verführung geben, durch die sich zeigt, dass sich die Mühe lohnt. An dieser Verführung arbeitet das Kinderbuchhaus, immer wieder, Monat für Monat. In dieser Arbeit gibt es Vielfalt und Stetigkeit, Wiedererkennbares und Neues. Entwicklung ist die Parole, nicht Sturmangriff. Dafür braucht es einen langen Atem neben dem Enthusiasmus, und noch einiges mehr, zum Beispiel, bah pfui!, Geld und auch Anerkennung, das wird manchmal vergessen. Ich bin gern Patin eines so lebendigen Ortes und fühle mich geschmeichelt, dass ich dazu aufgefordert wurde.
Die Möglichkeiten, die dort geboten werden, nehme ich nicht wahr, meine Arbeit lässt mir die die Zeit nicht, aber es würde mich ebenso wie Kinder bereichern und mir einen Raum bieten für Experimente und Spiel, für das Ausprobieren und Finden. Ich weiß inzwischen, wie wichtig es ist, in das Denken und Fragen, in den angstfreien Austausch mit anderen zu kommen, denn es befreit von den inneren Verboten und Grenzen, es gibt einem die Lust und den Mut, etwas Eigenes zu entfalten. Deshalb wünsche ich dem Kinderbuchhaus ein langes, reiches Leben und seinen Mitarbeiterinnen einen tragfähigen, verlässlichen materiellen Unterbau und – sehr wichtig – Anerkennung.

Sabine Wilharm wurde 1954 in Hamburg geboren.
1976 Abschluss Fachhochschule für Gestaltung / Hamburg Fachbereich Illustration, seitdem freiberuflich tätig, zur Zeit hauptsächlich im Kinderbuchbereich
1984-09 div. Lehraufträge FH Gestaltung Hamburg für Illustration und freies Zeichnen
ab 2000 verschiedene Ausstellungen von Illustrationsarbeiten

Sabine Wilharm lebt als freiberufliche Illustratorin bei Hamburg, wo sie 1976 ihren Illustrationsabschluß bei Siegfried Oelke und Wilhelm M.Busch gemacht hat. Sie arbeitet im Kinder- und Erwachsenenbereich für Buchverlage und Zeitschriften.
Ihre Bilder betonen eher das Zeichnerische als das Malerische und haben in der Behandlung der Figuren einen Hang zur Überzeichnung und Ausdrucksbetonung. Schräge Perspektiven gehen mit einer Vorliebe zur Räumlichkeit zusammen.
Die allgemein bekannteste Arbeit ist sicher die Umschlaggestaltung der Harry-Potter-Bücher für den Carlsen Verlag.

Bereits im Hamburger Kinderbuchhaus ausgestellt waren:

“Harry Potter und …” Carlsen Verlag (Text J.K. Rowling)
Dazu zeigte das Hamburger Kinderbuchhaus im Jahr 2008 zahlreiche Skizzen und Zeichnungen in der Ausstellung “Von Helden und Heringen. Bilderbuchillustrationen von Sabine Wilharm” sowie in der Ausstellung “Junge! Junge!” im Jahr 2011.

“Helden” -  Carlsen Verlag
Diese speziellen Helden waren in der Ausstellung “Von Helden und Heringen. Bilderbuchillustrationen von Sabine Wilharm” im Jahr 2008 zu sehen.

“Mops und Molly Mendelssohn”Dressler Verlag (Text Sabine Ludwig)
Originale dieser Geschichte werden in der aktuellen Ausstellung ”Paula und die Anderen. Einige Mädchenbilder im illustrierten Kinderbuch von heute” seit September 2012 gezeigt.

“Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte”Fischer Schatzinsel (Text Luis Spúlveda)
Zorbas und seine Freunden waren ebenfalls in der Ausstellung “Von Helden und Heringen. Bilderbuchillustrationen von Sabine Wilharm” im Jahr 2008 zu sehen.

“Der Zauberlehrling”Kindermann Verlag (Text Johann Wolfgang von Goethe)
Originale diese “Jungen” waren in der Ausstellung “Junge! Junge!” im Jahr 2011 zu sehen.

Begleitend zur aktuellen Ausstellung “Paula und die Anderen. Einige Mädchenbilder im illustrierten Kinderbuch von heute” sind außerdem  zurzeit die Bücher der Ella-Reihe (Text Timo Parvela) aus dem Hanser Verlag zu sehen.

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Tobias Krejtschitobias_krejtschi_2013

Jahrgang 1980, Kindertage in Dresden, Jugendjahre und Schulzeit im fränkischen Odenwald. Studierte Illustration in Hamburg an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (mit den Abschlüssen Diplom Designer und Master of Arts).
Arbeitet als freischaffender Illustrator, Autor und Bilderbuchkünstler  für verschiedene Agenturen, Zeitschriften- und Buchverlage, gibt Workshops und Lesungen und hatte zahlreiche Ausstellungen im In-und Ausland.
Sein Bilderbuchdebüt „Die schlaue Mama Sambona“, das bereits während seines Studiums erschien, ist mittlerweile in mehreren Sprachen erschienen und war 2008 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Im Jahr 2009 wurde ihm dafür mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis einer der wichtigsten nationalen Preise im Bereich Buchillustration verliehen. Sein aktuellstes Bilderbuch “Ein roter Schuh” wurde 2013 als eines der 25 schönsten deutschen Bücher von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.
Von 2011 bis 2013 war er Dozent für Illustration an der HAW Hamburg im Department Design.

Bisher erschienen sind:
„Die schlaue Mama Sambona“ (2007; Text: Hermann Schulz; Verlag: Peter Hammer Verlag; ISBN: 978-3779501497)
„Das fünfte Schaf“ (2008; Text: Harriet Grundmann; Verlag: Peter Hammer Verlag; ISBN: 978-3779502012)
„John Maynard“ (2008; Text: Theodor Fontane; Verlag: Kindermann Verlag Berlin; ISBN: 978-3934029316)
„Die Nacht der Trommler“ (2008; Text: Hans Hagen; Verlag: Peter Hammer Verlag; ISBN: 978-3779502074)
„Herr König sucht das Glück“ (2009; Text: Harriet Grundmann; Verlag: Herder Verlag; ISBN: 978-3451301759)
„Wie der Kiwi seine Flügel verlor“ (2010; Text: Tobias Krejtschi; Verlag: Peter Hammer Verlag; ISBN: 978-3779503019)
“Wipfelwärts + Wurzelwärts” (2012; Text: Tobias Krejtschi; Verlag: Peter Hammer Verlag; ISBN: 978- 3779503705)
“Siegfried – Eine Heldensage in Reimen” (Hörbuch) (2012; Text: Reinhold Grzega; Verlag: Plexus Verlag; ISBN: 978- 3937996370)
“Die Sache mit Nummer 8″ (2013; Text: Harriet Grundmann; Verlag: Peter Hammer Verlag; ISBN: 987-3779504320)
“Ein roter Schuh” (2013; Text: Karin Gruß; Verlag: Boje Verlag; ISBN: 978-3414823410)

Ein Kinderbuch ist eigentlich eine ganz einfache Sache: bedrucktes und gebundenes Papier mit (oft vielen) Bildern und (manchmal mehr, manchmal weniger oder manchmal gar keinem) Text.
Und was ist ein gutes Kinderbuch?
Diese Frage lässt sich leicht beantworten, wenn man ins Hamburger Kinderbuchhaus kommt. Hier erleben große und kleine Besucher, egal welchen Alters, hautnah mit, dass Bilder nicht nur sprechen können, sondern ganz großartige Geschichtenerzähler sind. Dass Texte in der Lage sind, in den Köpfen der Leser und Zuhörer ganze Welten zu erschaffen. Und dass Bilder und Texte wie gute Freunde eine Verbindung eingehen, sich gegenseitig stärken und ergänzen, aber jeder darüber hinaus dem Anderen auch genügend Freiräume für Fantasie und Kreativität schafft.

Gute Kinderbücher sprechen mit ihrer Ästhetik sowohl die ganz Kleinen, die noch nicht lesen können, als auch Erwachsene an, die entweder einfach nur Vorleser oder manchmal sogar Liebhaber von künstlerisch anspruchsvollen Illustrationen sind. Gute Kinderbücher sollen zum Nachdenken, Reflektieren und zum gegenseitigen Gedankenaustausch zwischen Kindern und Erwachsenen anregen, sie sollen inhaltlich und gestalterisch Leser und Betrachter herausfordern und sie dürfen gern auch mal kritisch sein, provozieren und irritieren, zum Beispiel indem sie mit Sehgewohnheiten spielen und Faszination durch Außergewöhnliches wecken. Gute Kinderbücher können mit ihren Themen und ihrer Optik sowohl Kinder als auch Erwachsene erreichen, fesseln, unterhalten und berühren.

Das Hamburger Kinderbuchhaus stellt dies tatkräftig unter Beweis und zeigt bei regelmäßig wechselnden Ausstellungen die riesige, facettenreiche und experimentierfreudige Bandbreite des Metiers. Aber auch die zahlreichen Workshops, Lesevorträge und  Illustratoren- und Autorenbegegnungen bieten mit vielen herausragenden Beispielen für die unterschiedlichsten Gestaltungsarten, Adressaten, Formate und Inhalte einen unvergleichlichen Einblick in das kreative Schaffen von Bilderbuchkünstlern und Geschichtenerzählern.

Hamburg genießt nationale und internationale Anerkennung als deutsches Zentrum der anspruchsvollen Buchillustration. Für das Kinderbuchhaus könnte es keinen perfekteren Standort geben. Es bietet die großartige Möglichkeit als Begegnungsstätte, gleichzeitig Zugang zu Sprache und Literatur zu eröffnen und Lesekompetenz und ästhetische Bildung zu fördern. Als Pate des Hamburger Kinderbuchhauses kann ich mir nur wünschen, dass noch viele Andere dieses Potential erkennen, nutzen und unterstützen.

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